artgerecht: Stillen

„Du stillst?“ „Wieso liegt es denn ständig an der Brust?“ „Wie lange willst Du denn noch stillen?“ Diese und andere Fragen werden stillenden Müttern gestellt. Es ist eure Entscheidung, ob ihr stillt oder nicht. Es ist eure Entscheidung, wie lange ihr stillt. Ihr solltet euer Baby entscheiden lassen, wie oft es stillen will.

Menschen legen keine Eier. Menschen sind Säugetiere. Menschenmilch ist für Menschenbabys optimiert. Menschenbabys sind fürs Stillen optimiert.
Artgerecht ernähren heißt: nach Bedarf stillen.


Gut für das Baby

Das Baby bekommt Nahrung, die perfekt auf seine biologischen Bedürfnisse abgestimmt ist – und zwar seine ganz persönlichen, denn Muttermilch passt sich an – an die Umgebung, die Trinkgewohnheiten, die Bedürfnisse jedes Babys. Und zwar während der gesamten Stillzeit immer wieder aufs Neue. Muttermilch schützt vor Krankheiten, Saugen stärkt den Kiefer und fördert die Bindung.

Gut für die Eltern

Muttermilch ist immer in der richtigen Temperatur und Zusammensetzung, an kein Geld und Ladenöffnungszeiten gebunden. Muttermilch kann man abpumpen und einfrieren und füttern, wenn Mama mal nicht da ist. Stillen senkt Mamas Risiko für Diabetes, Brustkrebs oder Übergewicht. Stillen fördert bei der Mutter die Rückbildung nach der Geburt. Stillen erleichtert es, die Herausforderung „Baby“ mit Geduld, Aufmerksamkeit und Ruhe anzugehen.

Das sagt die Wissenschaft

Babys haben einen sehr kleinen Magen (Größe einer Murmel zur Geburt, Größe eines Tennisballs nach 10 Tagen) und Muttermilch hat nur 2-4 Prozent Fett. Daher müssen Babys häufig stillen – und sie selbst wissen am besten, wenn es wieder soweit ist. Babys kommen unterentwickelt und mit nur 25% der endgültigen Gehirngröße auf die Welt (die meisten Säugetiere bringen schon 90% mit), das enorme Wachstum muss auch nachts durch Mahlzeiten unterstützt werden.

Die Brust weiß, wieviel und wann das Baby Hunger hat – sie sind ein eingespieltes Team. Beim Stillen verstärkt sich durch ein komplexes Hormongefüge die Bindung zwischen Mutter und Kind. Stillen ist perfekt auf den menschlichen Körper abgestimmt – auf den von beiden Beteiligten der Stillbeziehung. Es hat positive Effekte, die noch lange nach dem Abstillen nachwirken.

Jeder Tag einer guten Stillbeziehung ist ein Gewinn für die seelische und körperliche Gesundheit von Mutter und Kind. Die Babys haben ein geringeres Risiko für Übergewicht, Allergien und Asthma. Bei der Mutter sinkt die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Brustkrebs und Übergewicht.

Aufgrund der Vielzahl an guten Bakterien in der Muttermilch hilft das Stillen beim Aufbau der kindlichen Darmflora – eine super Voraussetzung für ein gut funktionierendes Immunsystem.

Ammenmärchen

Nach 6 Monaten kommt nur noch Wasser! Nur alle 4 Stunden stillen! Lass den nicht ständig nuckeln! Die Milch reicht doch gar nicht!

Wir wissen heute:
– Babys robben von alleine nach der Geburt auf Mamas Bauch an die Brust und legen sich selbst korrekt an, wenn man sie läßt!
– Babys sollten immer nach Bedarf gestillt werden – das ist mal mehr (bei Wachstumsschüben) mal weniger (wenn sie die Welt entdecken). Die Brust stellt such darauf ein.
– Babys sollten auch über die Einführung der Beikost hinaus gestillt werden, die WHO empfiehlt 2 Jahre und länger.
– Muttermilch enthält Immunstoffe, die Baby helfen, Krankheiten besser abzuwehren und ein stabiles Immunsystem aufzubauen
– Muttermilch schützt vor Allergien und Übergewicht
– das „natürliche“ Abstillalter liegt irgendwo zwischen 2,5 und 7 Jahren

Filmtipp: DVD Mamas Milch
Stillhotline der Stillberaterinnen AFS: 0228/ 92 95 9999
Warum jede Säugetier-Milch anders ist: Erfolgsrezept Muttermilch (WDR)

Ammenmärchen rund ums Stillen: Rabeneltern.org